Das Hilfskrankenhaus Neckarbischofsheim
17. Oktober 2011 von Erik Burger | 1 Kommentar
Nachdem ich mir die Hilfskrankenhäuser Trossingen und Neckarbischofsheim schon von außen angeschaut hatte, konnte ich nun endlich auch das Innere des ehemaligen Hilfskrankenhauses Neckarbischofsheim, das sich unter dem Adolf-Schmitthenner-Gymnasium befindet, besichtigen. Und obwohl die Anlage nicht mehr in Betrieb ist – das meiste Inventar wurde Ende der 90er Jahre entfernt – war ich dennoch begeistert, was es alles zu entdecken gab.
Doch zuerst ein paar Informationen: Der Begriff »Hilfskrankenhaus« bedeutet, daß die Schule im Krisenfall als Krankenhaus gedient hätte. Dazu gibt es einen durch Luftschutzmaßnahmen gesicherten Bereich im Untergeschoß. Im Gegensatz zu voll ausgebauten Hilfskrankenhäusern, bei denen sich alle Räume, also auch die Krankenzimmer, im unterirdischen Teil befinden, hätten beim ASG die Schulklassenzimmer im Notfall als Krankenräume herhalten müssen. Sie wären also nicht – wie die unterirdischen Räume – geschützt gewesen. Dieser Ausbauzustand entspricht dem »erweiterten Sofortprogramm« des Bundes aus dem Jahre 1962. Im Untergeschoß des Gymnasiums befindet sich der verbunkerte Teil, der eine eigene Luft-, Wasser- und Stromversorgung besitzt. Dort sind die OP-Säle, Labor, Küche und einige Stationsräume. Wie alle Hilfkrankenhäuser besitzt auch das Neckarbischofsheimer eine eigene Einfahrt, die mit einer Dekontaminationsschleuse und Entgiftungsraum vom Inneren des Krankenhauses getrennt ist. Für weitere Details über die Funktionsweise von Hilfskrankenhäusern verweise ich auf den Artikel auf Geschichtsspuren.
Auf dem Plan rechts kann man erkennen, wie die Räume des HKHs im Untergeschoß liegen. Da ich ihn aus dem Kopf auf Basis eines Luftbilds gezeichnet habe, ist er innen nicht maßstäblich und enthält sicher einige Fehler. Man erkennt jedoch recht gut die Aufteilung in Nord- und Südflügel und die Lage der wichtigen Räume. Auch merkt man, daß der verbunkerte Teil für ein »richtiges« Krankenhaus vergleichsweise klein ist. Die mit »Lager« bezeichneten Räume im Südflügel werden heute von der Schule genutzt.
Auch wenn die meisten Einrichtungsgegenstände fehlen, war meine kleine Fototour im verbunkerten Teil sehr interessant. Ich habe ja mittlerweile schon einige Bunker gesehen, doch wenn man nach knapp zwei Stunden Fototour im Untergeschoß an die helle, belebte und warme Oberfläche zurückkommt, ist es doch ein sehr komisches Gefühl. Man malt sich aus, daß Leute im Kriegsfall hier wochenlang nur Neonlicht und Betonwände gesehen hätten und ständig bangen müßten, wie lange ihre Vorräte noch reichen. Einen Stromausfall kann man nachstellen, indem man einfach mal das Licht ausschaltet und die fluoreszierende Beleuchtung auf sich wirken läßt – ein mulmiges Gefühl. Doch vor allem fragt man sich, wie viele Menschen so ein Krankenhaus, das einzige verbunkerte in einem Umkreis von über 100km (siehe Karte), überhaupt hätte aufnehmen können.
Doch macht Euch am besten selbst einen Eindruck davon mit den folgenden Bildern.
Info zum Beitrag
geschrieben am Montag, den 17. Oktober 2011 um 20:14 Uhr
Kategorien: Bunker























































1. m.pöschko
Kommentar vom 24. November 2011 um 18:36
Danke , war sehr informativ